Vivien Martineau
Sozialarbeiterin
Sozialprojekt für illegale Einwanderer
USA, Gainesville

stvivian„Jeder Morgen in Gainsville beginnt mit dem selben Ritual. Wir schalten unsere große Kaffeemaschine an, füllen die Thermoskannen und bringen sie zu unserem kleinen Handkarren. Anschließend geht es dorthin, wo wir auf unsere Brüder warten, lateinamerikanische Tagelöhner, die Arbeit suchen.

Jeden Morgen muß ich mich anstrengen die Namen von denen zu behalten, die neu dazu gekommen sind. Ein paar sind gerade aus Mexico herübergekommen. Andere kommen leider, weil sie entlassen wurden. Die miserable Wirtschaftslage, die im ganzen Land herrscht, spürt man in diesem Landesteil besonders hart, weil viel weniger Bosse nach Arbeitern suchen. Einige der Männer hatten schon seit einer Woche keine Arbeit mehr, die Stimmung ist dementsprechend im Keller. Wir müssen zuhören, ihnen auf die Schulter klopfen, Kaffee anbieten und sie einfach als Brüder in ihren Schwierigkeiten annehmen.

Mittlerweile ist auch die Kälte eingebrochen und ich habe Fäustlinge und einen Hut bekommen. Mir ist auch der tiefere Sinn von unserem Kaffee klar geworden. Seit sechs Monaten stehe ich in aller Frühe auf und mache mich auf den Weg, um diese Männer zu treffen. Ich lerne Gottes Treue zu leben und genau das ist für die meisten von ihnen das Zeugnis, das sie am meisten anrührt. Egal ob Regen, Wind oder Kälte, wir sind mit ihnen zusammen und spiegeln die Liebe Gottes zu seinen Kindern wider.