Annika Saft (DE)


Cambodia,
Sihanoukville


1. Missionsbericht

Fidesco Volontäre auf Mission am 05.10.2017Sozialarbeiterin
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Annika schaut auf ihr erstes Jahr in Kambodscha zurück:

Es ist Halbzeit. Das heißt, es ist jetzt Zeit auf das letzte Jahr zurückzuschauen. Und das möchte ich gerne mit euch und Ihnen gemeinsam tun. Vor genau einem Jahr war ich in den letzten Zügen vor meinem Aufbruch nach Kambodscha. Es war viel los, ich habe viele wundervolle Menschen getroffen, mich verabschiedet von Familie, Freunden, so manch materiellem Luxus, wie meinem Auto und einem Plan für die kommenden zwei Jahre. Wieso habe ich mich von einem Plan, meinem Plan verabschiedet? Weil ich im Endeffekt keine Ahnung hatte, wo ich wohnen werde, was genau ich arbeite und zu welchen Zeiten, wie ich in Kambodscha von A nach B komme, was ich dort essen werde, gibt es Internet, gibt es fließend Wasser, Klopapier, heißes Wasser zum Duschen und so weiter und so fort. Ich muss aber dazu sagen, ich hatte eine Wahl. Und ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, diesen Plan in Gottes Hände zu legen. Und hier bin ich nun, in Kambodscha, immer noch lebendig und putzmunter, gut genährt und zufrieden.

Die Wochen vor dem Abflug sind rasend schnell vergangen. Kaum hatte ein Tag begonnen, war er schon wieder vorbei. Am Tag des großen Abschieds war es traurig, aber vor allem eins, total surreal! Mach ich das wirklich? Na ja, dachte ich, dann mal los ins Abenteuer! Irgendwie habe ich mich auch total gefreut, von jetzt auf gleich ganz viel Neues und Aufregendes. Und das Alte, Gewöhnliche, manchmal vielleicht auch Langweilige zurücklassen. Gute 48 Studen später stand ich dann da. Vom Taxifahrer abgeladen an der Kirche St. Joseph mit meinem schweren Gepäck und kurz in Empfang genommen von unserer künftigen kambodschanischen Vorgesetzten.

Die erste Nacht in meinem neuen kambodschanischem Zuhause. Ein riesiges Zimmer, mit großem Bett. Juhuu!! Perfekt, um meinen Jetlag und die Strapazen der Reise auszuschlafen. Also ließ ich mich mit voller Wucht auf mein Bett fallen. Das hatte aber leider nur eine dicke Holzplatte und eine vielleicht 3 cm dicke Matratze. Na bravo! Harte Betten sind nun echt nichts, worauf ich gerne schlafe und mein wirklich verwöhnter, deutscher Körper leider auch so gar nicht gewohnt ist. Also war improvisieren angesagt und ich habe meine beiden Stuhlpolster zu einer Minimatratze umgewandelt. Drei Monate habe ich so geschlafen und es war gar nicht so unbequem. Wo die Zeit in Deutschland noch rasend schnell vergangen ist, sind die Tage seit meiner Ankunft in Phnom Penh wie im Schneckentempo vergangen. Meine ganze Welt stand Kopf. Die Gerüche von Essen, stinkenden Müllhaufen an jeder Ecke und der für mich extrem warmen und schwülen Luft haben mich jeden Tag aufs Neue an meine Grenzen gebracht. Gehsteige gibt es hier so gut wie keine, heißt Stephi und ich sind die ersten Tage teils 5 bis 10 km am Tag mitten auf der Straße gelaufen in der Hoffnung, dass uns keiner über den Haufen fährt und wir nicht lebendig zerflossen sind. Ganz ehrlich so viel habe ich zuvor noch nie geschwitzt, außer nach einer Stunde Aerobic!

Danach hieß es viel Geduld haben, um Freundschaften und Kontakte zu knüpfen, den Alltag zu verstehen, das Lebenstempo der Kambodschaner anzunehmen. Wahrscheinlich habe ich das gegen Ende meiner Mission dann so sehr verinnerlicht, dass ich das gleiche Spiel in Deutschland habe. Wenn ich jetzt zurückschaue, kann ich mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen, dass ich das wirklich alles im letzten Jahr gemeistert und erlebt habe. Und wenn ich zurückschaue, fand ich es gar nicht so schwer am Anfang. Ich kann mich aber gut dran erinnern, dass ich nach meinen ersten paar Tagen in Phnom Penh auf meinem Bett saß und dachte: „Warum tue ich mir das an? Ich könnte jetzt auch ganz entspannt zuhause in Deutschland sitzen und müsste mich nicht mit all diesen Problemen und Herausforderungen herumschlagen. Jesus, das nächste Mal kümmere ich mich wieder selber um einen Plan!“ Aber inzwischen bin ich einfach nur sehr, sehr dankbar für alles, was ich hier in Kambodscha erleben darf.

 

Hier sind Annikas erste Eindrücke von ihrer Mission vor einem Jahr:

Annika hat zunächst in Phnom Penh einen dreimonatigen Sprachkurs in der Landessprache Khmer absolviert. Über ihre ersten Eindrücke schreibt sie: „Nach knapp eineinhalb Tagen Reisezeit sind wir, meine Co-Volontärin Stephi und ich, am 6.10.2017 auf dem kleinen Flughafen in Sihanoukville, dem Ort unserer Mission, gelandet. Sister Michelle hat uns dort freudestrahlend in Empfang genommen. Sie wird für die kommenden zwei Jahre unsere Ansprechpartnerin und Anleitung im Fountain of Life Center sein. Vor dem Flughafen wartete schon ein Tuk Tuk samt Fahrer auf uns. Mit diesem typisch kambodschanischen Transportgefährt sind wir drei dann ganz traditionell zum Fountain of Life Center getuckelt. Der Weg dorthin hat circa 45 Minuten gedauert, in denen ich mit staunend offenem Mund die Umgebung begutachtet habe. Grüne Felder links und rechts, Reisfelder, große dünne weiße Kühe, die scheinbar herrenlos neben den Straßen umherwandern (und nein, ganz so herrenlos sind sie nicht – es gibt Besitzer, die zu den Kühen gehören), unzählige Straßenstände, die in Wohnhäuser integriert sind und alles Mögliche verkaufen, Müll, der überall an den Straßenrändern rumliegt und zu guter Letzt Unmengen an Mopeds.

Diese knattern in allen Variationen die Straßen entlang und transportieren auch so ziemlich alles, was wir uns nur so vorstellen können. Fünf Leute auf einem Moped war bisher das Maximum, was ich gesehen habe.  Ach ja und durch mein Staunen mit offenem Mund konnte ich noch ganz nebenbei jede Menge kambodschanischen Staub und Abgase einatmen.

 

Nach einem kurzen Mittagessen im Center ging die Reise für Stephi und mich dann gleich weiter nach Phnom Penh. Phnom Penh ist die Hauptstadt Kambodschas und zählt etwa zwei Millionen Einwohner. Für die ersten drei Monate wohnten wir dort in der katholischen Pfarrei St. Joseph, um die Landessprache Kambodschas – Khmer – zu lernen. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten und jeder Menge Geduld hatten wir schließlich einen guten Lehrer gefunden, der uns jeden Tag unterrichtete. Da Khmer sowohl ein anderes Alphabet, als auch eine andere Grammatik hat, war und ist das Lernen der Sprache nicht gerade einfach. Um es aber für uns etwas leichter zu gestalten, hat der Lehrer uns mit unserer Lautschrift unterrichtet und wir haben quasi nach Gehör gelernt. Das bedeutet, dass er uns die Wörter auf Khmer vorgesprochen hat, dann ins Englische übersetzte und wir haben das Khmerwort in unserer Lautsprache aufgeschrieben. Das wiederum ist aber auch nicht immer ganz eindeutig, da es im Khmer-Alphabet Laute gibt, die wir Deutschen einfach nicht kennen. Dennoch war es so die einfachste und effektivste Variante für uns, hatten wir ja nur drei Monate Zeit, um zumindest einen Grundstock an Khmer zu lernen. Das war also das erste Abenteuer unserer Mission! Der Lohn nach einigen Wochen Sprachkurs war dann ein erstauntes und lächelndes Gesicht der Kambodschaner, als wir sie mit unseren gefühlt fünf bisher gelernten Sätzen ansprachen.“

 

 

 

 

 

 

Ich weiß, dass Gottes Plan ein richtig guter ist, was aber nicht automatisch heißt, dass dieser Weg einfacher ist. Trotzdem erlebe ich immer wieder, dass er mir seinen Frieden schenkt, dass er neue Türen öffnet und mich vor allem fest an der Hand hält und diesen Weg gemeinsam mit mir geht. Aber mehr noch, denn Jesus geht mir voraus und ich folge ihm nach. Wo sonst kann ich das finden? Wer sonst kann mir das geben? Martin Buber, Religionsphilosoph, hat in einer seiner Veröffentlichungen einen Satz geschrieben der mir immer wieder in den Sinn kommt. "Der Mensch wird am Du zum Ich".
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