Rechtshilfe, Lubumbashi und Kinshasa, DR-Kongo

Democratic-Republic-of-the-Congo, Lubumbashi und Kinshasa
 

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Rechtshilfeprojekt

2009 haben kongolesische Rechtsanwälte wiederholt die Situation von Häftlingen in Kongo angeprangert. Viele Menschen werden ohne Anklage ins Gefängnis gesteckt. Es kommt regelmäßig vor, dass Häftlinge im Gefängnis sterben, bevor sie überhaupt die Chance auf einen fairen Prozess hatten. Mit Gründung des BAJPD (Le Bureau d’Aide Judiciaire aux Prisonniers Démunis – Rechtshilfebüro für mittellose Häftlinge) hat Fidesco eine Organisation ins Leben gerufen, die diese Häftlinge unterstützt. Das BAJPD arbeitet hauptsächlich in drei Bereichen:

  • Unterstützung der Häftlinge auf psychologischer und sozialer Ebene durch einen Gesprächsdienst
  • Kostenlose Rechtsberatung
  • Sensibilisierung aller Berufsgruppen im juristischen Bereich für den Kampf gegen Korruption

Finanziert wird das Büro durch private Spenden, die von Fidesco gesucht werden. Die Hauptaufgabe des BAJPD besteht darin, die Fälle der Häftlinge aufzurollen und ihnen einen gerechten Prozess zu ermöglichen. Nach ihrem Urteil werden sie entweder freigelassen oder sitzen ihre Strafe ab. Die Mitarbeiter des BAJPD besuchen jede Woche die Häftlinge, die im Hauptgefängnis von Kinshasa einsitzen. Die Haftbedingungen in kongolesischen Gefängnissen gelten als extrem hart. Die tägliche Arbeit des BAJPD besteht jedoch auch im Kampf gegen die Korruption. Dieser beginnt schon damit, dass für einen Verwaltungsakt keine Schmiergelder bezahlt werden. Bereits Jurastudenten in den Seminaren werden für diese Problematik sensibilisiert.

Im Jahr 2024 wurden vom BAJPD verschiedene Aktivitäten zur Unterstützung von Inhaftierten im Zentralgefängnis von Makala durchgeführt. Schwerpunkte lagen auf der Koordination rechtlicher Hilfe, darunter die Anwesenheit bei Gerichtsverhandlungen, die Verteilung von Akten an Anwälte sowie Absprachen mit der Gefängnisseelsorge und der Erzdiözese. Der Kontakt zu Familien bleibt schwierig, da viele Inhaftierte ohne Wissen ihrer Angehörigen inhaftiert sind. In mehreren Fällen konnte der Kontakt jedoch durch die BAJPD wieder hergestellt werden.

Ein positives Signal war die Verteilung von Grußkarten aus dem Ausland, die über einen Anwalt an katholische Gefangene weitergegeben wurden. Viele nahmen sie mit Freude entgegen, auch wenn sprachliche Barrieren bestanden.

Der Gesprächsdienst, der juristische und seelsorgerische Begleitung bietet, war im vierten Quartal stark eingeschränkt, da das Gefängnis nach einem Ausbruchsversuch im September für Besucher geschlossen blieb. Es konnten im vierten Quartal jedoch einige entlassene Gefangene zu Hause besucht werden. Sie zeigten sich dankbar für die juristische Unterstützung, machten jedoch ihre schwierige finanzielle Lage deutlich – ein Hinweis auf den Bedarf an Reintegrationshilfen. Die anwaltliche Begleitung durch das BAJPD-Team bleibt insbesondere für mittellose Gefangene zentral.

Erschwerend hinzu kommt die extreme Überbelegung: Das für 1.500 Personen angelegte Gefängnis beherbergt derzeit laut Medienberichten rund 12.000 Insassen, was die Haftbedingungen und externe Unterstützungsarbeit stark beeinträchtigt.

Ergänzend organisierte die BAJPD Sensibilisierungsveranstaltungen zu Rechtsstaatlichkeit und Korruption, die von der Bevölkerung gut angenommen werden.

Insgesamt leistet das BAJPD unter schwierigen Bedingungen kontinuierlich juristische, seelsorgerische und aufklärende Arbeit. Die Wiederöffnung des Gefängnisses für Besucher und die Rückkehr der Sonntagsmessen wären eine spürbare Erleichterung für alle Beteiligten.

 

Für Franz Kinsky, den Ehrenvorsitzenden von Fidesco, ist das Projekt eine Herzenssache. In seinem Video erzählt er uns über das Projekt, die Umstände, unter denen die Gefangenen leben müssen und was wir dagegen tun können.

 

 

Der niederländische Rechtsanwalt Jan Willem van der Velden hat 2018 ausführlich in einem Interview auf Radio Horeb über das Projekt berichtet.

Klicken Sie hier, wenn Sie die Sendung noch einmal hören möchten

Spenden können Sie für das Projekt online hier mit einem Klick 

oder über unsere Bankverbindung:

SOZIALBANK

IBAN: DE25 3702 0500 0008 6321 00

BIC: BFSWDE33XXX

Kontoinhaber: Fidesco e.V.

 

Bitte geben Sie als Kennwort: Gefangenenhilfe Kongo an. Dann können wir Ihre Spende direkt an das Projekt weiterleiten.

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe.

 

 

 

 

Zwei ehemalige Gefangene berichtem im Folgenden von ihrem Fall. Beide waren im Zentralgefängnis Kasapa nahe Lubumbashi inhaftiert und wurden durch die Hilfe des BAJPD wieder entlassen. Etwa 2/3 der Gefangenen in Kasapa sitzen dort ohne Urteil ein und warten auf ihr Verfahren.

 

DesireDésiré:

Wie jeder junge Mann, der heiraten will, pflegte ich eine romantische Beziehung mit einem Mädchen, das ich schon damals als meine Braut betrachtete.

Einige Zeit später, wurde das Mädchen schwanger von mir.

Als Afrikaner war ich mir meiner Verantwortung bewusst und unternahm alles, in der Zeit bis zur Geburt des Kindes, eine Lösung mit meinen „Schwiegereltern“ zu finden und das Mädchen zu heiraten.

Mittlerweile war das Kind auf der Welt, aber ich war noch nicht in der Lage die Mitgift, die von der Familie gefordert wurde, zu bezahlen. Daraufhin zeigten sie mich wegen der Vergewaltigung von Minderjährigen an, obwohl sie damals schon 21 Jahre alt war.

Ich wurde ins Gefängnis in Kasapa gesperrt. Das Elend, das ich dort zu erleiden hatte, war maßlos. Eine Gnade war, dass ich in der Pfarrei „Vincent de Paul“ als Akolyth, Ministrant und Lektor aktiv sein konnte.

Ich sah, was das BAJPD für die Gefangenen tun konnte und entschied, mich dem Team anzuvertrauen. Sie sagten zu, mich juristisch zu unterstützen. Sie begleiteten und berieten mich beim Prozess und in allen juristischen Fragen, bis ich aus dem Gefängnis entlassen werden konnte.

Ich danke Gott für das, was das BAJPD für mich getan hat und für die Kraft, die Er mir gegeben hat, Ihm treu zu bleiben, Ihm auch in den schwierigen Momenten meiner Haft zu dienen. Auch dafür, dass Er mein Gebet erhört, mir alle meine Sünden vergeben hat und für die Chance wieder in eine hoffnungsvolle Zukunft zu starten.

Ich bitte alle meine Menschenbrüder und -schwestern, weiterhin für die Menschen zu beten, die in besonders schwierigen Umständen und inhaftiert sind. Ich habe davon profitiert.

 

FabriceFabrice:

Ich war zu einer dreijährigen Strafe im Gefängnis in Kasapa verurteilt.

Mein Gefängnisaufenthalt war wirklich etwas Grauenhaftes, denn er hat mein Leben zerstört, angefangen bei meiner Beziehung und meiner Arbeit. Er hat mich entmenschlicht und mir jede Freiheit und Hoffnung auf die Zukunft genommen.

Mit anderen Gefangenen hatte ich von den BAJPD-Aktivitäten im Gefängnis gehört, die es für die armen Gefangenen durchführt. So habe ich auch die Initiative ergriffen und das BAJPD hat sich meiner Strafakte angenommen. Nach diesem Treffen und dank ihrer Intervention konnte ich meine Freiheit wieder erlangen.

Spenden Sie für FIDESCO E.V.