Bildungszentrum Alagados, Salvador da Bahia, Brasilien
Brazil, Salvador da BahiaBrazil Salvador da Bahia
In der Nähe des Stadtzentrums, auf einem Gelände, an dem Müll ins Meer gekippt wird und die Abwasserkanäle münden, liegt die Favela Alagados. Wenn auch die wackeligen Baracken auf ihren Pfählen mittlerweile bescheidenen Häusern gewichen sind, die labile soziale Situation ist nach wie vor geblieben.
20 Jahre ist es nun her, dass das erste Projekt von der Pfarrei „Nossa Senhora dos Alagados e São João Paulo II“ ins Leben gerufen wurde. Den Namen der Pfarrgemeinde in der Millionenstadt Salvador de Bahia in Brasilien könnte man mit „Unsere Liebe Frau des Überschwemmungsgebiets“ übersetzen. Der zweite Patron der Gemeinde, der heilige Johannes Paul II, hatte 1980 die Pfarrei bei seiner Brasilienreise besucht.
Beheimatet ist die Pfarrei im Stadtviertel „Uruguay“, das in Salvador keinen guten Ruf genießt. Mitte der 2000er Jahre arbeitete der französische Priester Pater Bernard in der Pfarrei mit. Als er eines Tages eine Gruppe Kinder durch die Straßen irren sah, kam er auf die Idee: „Den Kindern müssen wir etwas zu tun geben!“ So entstand in Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde das erste Projekt „Ser Criança em Alagados – Kind sein in Alagados“. Schon bald kamen weitere Projekte hinzu. 2008 wurde die Pfarrei der Fürsorge der Gemeinschaft Emmanuel anvertraut. Fidesco hat die Sozialarbeit finanziell und durch Volontäre gefördert. Auch Fidesco Deutschland konnte mit Anton Istuk 2013/2014 einen Volontär in die Pfarrei Alagados entsenden. Aber schauen wir uns die Kernprojekte der Projektfamilie genauer an:
Ser Criança em Alagados – Kind in Alagados
Die Zielsetzungen des Projekts ähneln sehr dem, was wir hier unter Nachmittagsbetreuung kennen. Wobei dieser Begriff für das brasilianische Schulsystem nur zur Hälfte stimmt, denn der Unterricht dort ist in eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe aufgeteilt. 90 Schüler – Kinder und Jugendliche – werden an vier Tagen in der Woche unterstützt. Sie erhalten eine persönliche Betreuung durch Lernzeit, Kultur, den Lehrgarten, Sportübungen und Katechese sowie zwei Mahlzeiten pro Tag. Tag. Darüber hinaus bietet das Projekt Unterstützung für Familien durch Besuche an. Regelmäßig werden für die Schüler kulturelle Ausflüge, Freizeitaktivitäten und lehrreiche Treffen mit ihren Eltern veranstaltet.
PROKAPAZ
entstand 2009 als Ergänzung zum Projekt „Ser Criança em Alagados“. Dort hatte man bei der täglichen Arbeit festgestellt, dass in den Familien die Mütter diejenigen sind, die für das Einkommen sorgen. So entstand PROCAPAZ mit dem Ziel, diese Frauen durch eine Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihr Einkommen zu erhöhen. Das Ausbildungszentrum ist Anlaufstelle für etwa 80 Frauen aus der Nachbarschaft in prekären Situationen. Es werden Berufsausbildungen in den Bereichen Kochen, Nähen, Kosmetik und EDV-Grundlagen angeboten. Heute kommt dieses Projekt nicht nur diesen Frauen zugute, sondern vielen anderen Menschen in der Region und Nachbarschaft.
Sonho de Mãe – Der Traum einer Mutter
möchte angstvollen und entmutigten schwangeren Frauen helfen, die zumeist sehr jung (zwischen 11 und 19 Jahren) in schwierigen Situationen sind und die Schwangerschaft kaum oder gar nicht annehmen können. Die jungen Frauen werden darauf vorbereitet, was es bedeutet, Mutter zu werden und zu sein, zunächst einmal ganz praktisch durch eine Geburtsvorbereitung. Aber auch die Herstellung der Erstausstattung für das Baby als auch eine psychologische und geistliche Vorbereitung für die verzweifelten und zurückgewiesenen Teenager gehören dazu. Die Beratung und finanzielle Unterstützung der jungen Mütter endet nicht mit der Geburt, sondern wird weitergeführt. 30 Frauen werden pro Jahr in Alagados betreut. Sonho de Mãe ist mittlerweile sogar in anderen Städten Brasiliens aktiv, z.B. in „Conceição do Araguaia“ im brasilianischen Regenwald. Dieses Projekt wurde 2012/2013 durch Miriam und Wolfgang Herold unterstützt, die mit ihren Kindern Fidesco-Volontär in Brasilien waren.

