Berufsschule St. Joseph, Port-au-Prince, Haiti
Haiti, Port-au-PrinceHaiti Port-au-Prince
Wenn wir auf die politischen Rahmenbedingungen der Berufsschule St. Joseph, EPSJA, in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince blicken, finden wir wenig Ermutigendes.
Ein schweres Erdbeben Anfang 2010 hatte Haiti, das ärmste Land in Amerika, tief getroffen. Schon davor mangelte es Haiti an einer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Struktur. Insbesondere junge Haitianer haben wenig oder keine Perspektiven für die Zukunft (die Arbeitslosenquote der Erwerbsbevölkerung beträgt 45% in der Hauptstadt!) Das Bildungsniveau ist sehr niedrig.
Das Land ist in den vergangenen 15 Jahren politisch nicht zur Ruhe gekommen. Die Lage in Haiti ist weiterhin extrem instabil und von Gewalt, Machtvakuum und humanitärer Not geprägt. Der im April 2024 eingesetzte Übergangsrat hat sein Mandat im Februar 2026 niedergelegt, ohne Wahlen organisiert oder die Sicherheitslage stabilisiert zu haben.
Bewaffnete Banden kontrollieren etwa 80–90% von Port‑au‑Prince und weite Landesteile; der Staat hat das Gewaltmonopol in großen Gebieten verloren.
Die UN schätzt, dass in den letzten vier Jahren rund 16.000 Menschen getötet und 1,5 Millionen vertrieben wurden; die Gewalt hat 2025/26 weiter zugenommen.
Trotz dieser entmutigenden Perspektive arbeitet die Berusfschule St. Joseph weiter. Was zunächst vor allem als Reaktion auf das verheerende Erdbeben von 2010 gedacht war, ist wichtiger als je zuvor: Die Bereitstellung von gut ausgebildeten Arbeitern, die für den Aufbau des Landes so dringend gebraucht werden.
Ausgebildet wird in den Bereichen Informatik, Elektrik und Sonnenenergie, Wasser- und Gas-Installation sowie Kühlgeräte und Klimaanlagen.
Auf den ersten Jahrgang, der im Januar 2013 seine Ausbildung abgeschlossen hatte, folgten viele weitere. Mittlerweile können jährlich im Schnitt 110 junge Erwachsene einen Berufsabschluss auf hohem Niveau erwerben. Die Schüler sind zwischen 17 und 25 Jahren alt.
Zur handwerklichen Ausbildung kommen zusätzlich die Vermittlung von ethischen Grundlagen und die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche (Präsentation, Lebenslauf, etc.).
Alle Schüler erhalten ein Stipendium von Fidesco, weil die meisten nicht in der Lage sind, die Studiengebühren zu bezahlen.
Der Finanzbedarf des Projekts ist groß. Der Bau von neuen Gebäuden ist nötig, um mehr Schüler aufnehmen zu können.

