Stephanie Schel (DE)


Cambodia,
Sihanoukville


1. Missionsbericht

Fidesco Volontäre auf Mission am 05.10.2017Damenschneidermeisterin

Vor ihrem Arbeitsbeginn im „Fountain of Life Center“ in Sihanoukville war erst einmal ein Sprachkurs in Phnom Penh angesagt. Stephanie erzählt von ihren ersten Eindrücken:

„Die Leute drängen vom Land in die Hauptstadt und hoffen dort auf ein besseres Leben. Doch sieht es in Wahrheit meist so aus, dass sie in den Großstädten mit mehreren Menschen auf engstem Raum leben. Das Geld, das sie verdienen, schicken sie nach Hause zu ihren Familien. Hier in Phnom Penh ist es nicht ungewöhnlich, eine Müllkippe zu sehen, wo Frauen und Kinder nach Essbarem oder Verwertbarem suchen und gleich gegenüber findet man ein gut besuchtes, gehobenes Restaurant mit westlichen Preisen. Oder ein schickes Hotel, das umgeben ist von einem Schrottladen, einer Papiersammelstelle und natürlich den vielen kleinen Lädchen, die alles Mögliche verkaufen. Wenn eine Familie so ein Geschäft besitzt, kann man dort auch die ganze Familie vorfinden. Der Laden wird natürlich auch von allen drei Generationen geführt. Es wird dort gearbeitet, gekocht, gegessen, geschlafen und die meiste Zeit beobachtet man die Leute auf den Straßen. Das bedeutet, das Leben in Kambodscha findet quasi vor der Haustüre auf dem Bürgersteig statt. Wenn ein Kambodschaner etwas einkaufen möchte, setzt er sich auf sein Moped, fährt einmal durch die Straße und schaut, was die Leute heute verkaufen. Es ist nicht zwingend notwendig, vom Moped abzusteigen, da man auch von der Straße aus sehen kann, was verkauft wird. Außerdem gibt es hier eine Straße, die nur Fahrräder verkauft, die andere verkauft nur Teppiche, eine andere nur Werkzeug oder die sogenannte Nähmaschinenstraße. Als Fußgänger hat man es hier schwer, deshalb sieht man hier auch so wenige. All die Geschäfte, Gemüsestände und Garküchen unter ihren Sonnenschirmen verbauen die rudimentären Gehwege. Jeder, der sich ein Moped leisten kann, hat eins. Tausende sind zu jeder Tages- und Nachtzeit hier auf den Straßen. Es gibt mittlerweile ein Busnetz, das ist allerdings nicht gut ausgebaut und es dauert seine Zeit, durch den dichten Verkehr zu kommen. Deshalb wird dieses Angebot nicht genutzt und somit steigt jeder wieder auf sein eigenes Moped. Letzte Woche sprach ich mit Somnang, einem Familienvater aus unserer Gemeinde, der mir erzählte, dass ihn seine Eltern im Alter von 13 Jahren baten, seine Geschwister zur Schule zu fahren. Hier ist es nicht ungewöhnlich, zu viert auf einem Moped von A nach B zu gelangen. Somnang hatte ziemliche Angst vor dem Chaos auf den Straßen. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig, da seine Geschwister zur Schule mussten und seine Eltern dafür keine Zeit hatten. Somnang hat keinen Führerschein, da man hier als Einheimischer keinen braucht, für uns Deutsche allerdings undenkbar. So begegnet mir jeden Tag irgendetwas, was ich nicht kenne oder was ungewohnt ist. Ob es eine Frucht ist, die ich noch nie gesehen habe, die vielen Chilis im Essen oder die gebratenen Insekten und Hühnerfüße. Apropos Essen: natürlich kommt man in Kambodscha in den täglichen Genuss einer Reismahlzeit und zwar morgens, mittags und abends. Die Mahlzeiten nimmt man meist auf einer Bastmatte am Boden ein. Deshalb zieht man hier auch die Schuhe (Flip-Flops) aus, bevor man einen Raum betritt, um den Boden sauber zu halten.“

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