Stephanie Schel (DE)


Cambodia,
Sihanoukville


1. Missionsbericht

Fidesco Volontäre auf Mission am 05.10.2017Damenschneidermeisterin

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Schlaglichter in der Regenzeit:

 

Unterschiede sind da und man begegnet jeden Tag neuen: zu manchen Unterschieden sagt man ja, zu manchen nein. Zu dem Regencape und der Regenhose sagen wir jeden Tag JA und verlassen das Haus nicht mehr ohne, denn man weiß hier nie. Dann geht es in voller Montur auf die holprigen Straßen, die noch viel schlimmer geworden sind. Ich war zwar noch nie auf dem Mond, aber so stell ich mir ihn vor mit all seinen Kratern. Nicht nur das, sondern auch die Flüsse suchen sich ihren Weg über die Straße. Wir hatten schon viele Löcher in unseren Mopedreifen und es war auch nicht der letzte Reifen, den wir gewechselt haben, wenn es so weiter geht. Die Regensaison ist zwar bald überstanden, aber die Straßenbauarbeiten dehnen sich noch weiter aus. Wer weiß, vielleicht noch über das nächste Jahr hinaus? Wenn ich eines gelernt habe, dann: hier ist alles möglich, nicht ohne Grund wird Kambodscha „The Kingdom of Wonders“ genannt („Das Königreich der Wunder“), denn sich hier über etwas zu wundern, ist total richtig, aber auch völlig vergeblich. Wenn Ihr versteht was ich meine.

Trotz all den Wundern und Wunderrungen, möchte ich von meiner Arbeit erzählen, nämlich an die 2 ½ Stunden Englischunterricht in den Villages (Dörfern) wo wir vor kurzem sogar auf zwei Mopedsitzen unterrichten durften. Warum das? Ja, es war kein Tisch da.
Die Besitzerin war nicht zuhause, wo wir normalerweise unterrichten, so hatten wir auch keinen Tisch, aber die Kinder kamen trotzdem aus allen Löchern gekrochen. So haben es die Mopedsitze auch getan, alles ganz easy (einfach) und entspannt => Kingdom of Wonders eben.
Nachdem wir wieder von den Dörfern zurückkommen sind, ist schon von der Köchin gekocht und dreimal dürft ihr raten was? Naja klar: Reis und ein großer Topf voll Suppe. Jeden Tag das gleiche, die Suppe einmal mit Fleisch, Fisch oder nur Gemüse. Mittlerweile koche ich mir mein Mittagessen zuhause, außer wenn es Reis mit einem Spiegelei und Sojasoße gibt, denn das schmeckt ganz gut. Die Kinder, mehr als 50 Kinder, ich habe aufgehört zu zählen, haben dann meist schon ihr Essen verspeist.

 

Stepanies erste Eindrücke von ihrer Mission in Kambodscha:

Vor ihrem Arbeitsbeginn im „Fountain of Life Center“ in Sihanoukville war erst einmal ein Sprachkurs in Phnom Penh angesagt. Stephanie erzählt von ihren ersten Eindrücken:

„Die Leute drängen vom Land in die Hauptstadt und hoffen dort auf ein besseres Leben. Doch sieht es in Wahrheit meist so aus, dass sie in den Großstädten mit mehreren Menschen auf engstem Raum leben. Das Geld, das sie verdienen, schicken sie nach Hause zu ihren Familien. Hier in Phnom Penh ist es nicht ungewöhnlich, eine Müllkippe zu sehen, wo Frauen und Kinder nach Essbarem oder Verwertbarem suchen und gleich gegenüber findet man ein gut besuchtes, gehobenes Restaurant mit westlichen Preisen. Oder ein schickes Hotel, das umgeben ist von einem Schrottladen, einer Papiersammelstelle und natürlich den vielen kleinen Lädchen, die alles Mögliche verkaufen. Wenn eine Familie so ein Geschäft besitzt, kann man dort auch die ganze Familie vorfinden. Der Laden wird natürlich auch von allen drei Generationen geführt. Es wird dort gearbeitet, gekocht, gegessen, geschlafen und die meiste Zeit beobachtet man die Leute auf den Straßen. Das bedeutet, das Leben in Kambodscha findet quasi vor der Haustüre auf dem Bürgersteig statt. Wenn ein Kambodschaner etwas einkaufen möchte, setzt er sich auf sein Moped, fährt einmal durch die Straße und schaut, was die Leute heute verkaufen. Es ist nicht zwingend notwendig, vom Moped abzusteigen, da man auch von der Straße aus sehen kann, was verkauft wird. Außerdem gibt es hier eine Straße, die nur Fahrräder verkauft, die andere verkauft nur Teppiche, eine andere nur Werkzeug oder die sogenannte Nähmaschinenstraße. Als Fußgänger hat man es hier schwer, deshalb sieht man hier auch so wenige. All die Geschäfte, Gemüsestände und Garküchen unter ihren Sonnenschirmen verbauen die rudimentären Gehwege. Jeder, der sich ein Moped leisten kann, hat eins. Tausende sind zu jeder Tages- und Nachtzeit hier auf den Straßen. Es gibt mittlerweile ein Busnetz, das ist allerdings nicht gut ausgebaut und es dauert seine Zeit, durch den dichten Verkehr zu kommen. Deshalb wird dieses Angebot nicht genutzt und somit steigt jeder wieder auf sein eigenes Moped. Letzte Woche sprach ich mit Somnang, einem Familienvater aus unserer Gemeinde, der mir erzählte, dass ihn seine Eltern im Alter von 13 Jahren baten, seine Geschwister zur Schule zu fahren. Hier ist es nicht ungewöhnlich, zu viert auf einem Moped von A nach B zu gelangen. Somnang hatte ziemliche Angst vor dem Chaos auf den Straßen. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig, da seine Geschwister zur Schule mussten und seine Eltern dafür keine Zeit hatten. Somnang hat keinen Führerschein, da man hier als Einheimischer keinen braucht, für uns Deutsche allerdings undenkbar. So begegnet mir jeden Tag irgendetwas, was ich nicht kenne oder was ungewohnt ist. Ob es eine Frucht ist, die ich noch nie gesehen habe, die vielen Chilis im Essen oder die gebratenen Insekten und Hühnerfüße. Apropos Essen: natürlich kommt man in Kambodscha in den täglichen Genuss einer Reismahlzeit und zwar morgens, mittags und abends. Die Mahlzeiten nimmt man meist auf einer Bastmatte am Boden ein. Deshalb zieht man hier auch die Schuhe (Flip-Flops) aus, bevor man einen Raum betritt, um den Boden sauber zu halten.“

"Kürzlich bin ich mit dem Zug durch Kambodscha gefahren. Dieser fährt nur drei Haltestellen an und zwar im Schneckentempo. Aber um es positiv zu betrachten, denn darin übe ich mich gerade, ist er in Besitz einer Klimaanlage und die Aussicht ist wunderschön. Als ich darin saß, musste ich an das Gedicht „Der Zug des Lebens" denken: Das Leben ist wie eine Zugfahrt mit all den Haltestellen, Umwegen und Unglücken. Wir steigen ein, treffen unsere Eltern, Geschwister, Cousins, Großeltern, Freunde usw. Sogar die Liebe unseres Lebens. Alle werden einmal aussteigen und eine große Leere hinterlassen. Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßung und Abschied. Der Erfolg besteht darin: Zu jedem eine gute Beziehung zu haben. Das große Rätsel ist: Wir wissen nie, an welcher Haltestelle wir aussteigen müssen. Deshalb müssen wir leben, lieben, verzeihen und immer das Beste geben!“
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