Nadine Kirbach (DE)


Colombia,
Bogota

Fidesco Volontäre auf Mission am 17.09.2018Projektkoordinatorin

Nach meinem Abitur habe ich die Ausbildung zur Krankenschwester in Hamburg gemacht und danach Berufserfahrung auf der Intensivstation in verschiedenen Krankenhäusern gesammelt. In Oberbayern habe ich in einer Arbeitskollegin eine gute Freundin gefunden, die mir über ihre Erfahrungen in Sambia als Krankenschwester mit der Organisation Fidesco berichtet hat. Schon damals war ich von ihren Erzählungen und Berichten begeistert. Entschieden habe ich mich nach langen Recherchen ebenso für Fidesco, weil der Glaube uns Menschen trotz unterschiedlicher Herkunft und Lebensbedingungen verbindet. Darüber hinaus schafft Glaube eine Art von Vertrauen und Verbundenheit, durch die man als Fremder in einer anderen Kultur eine Gemeinsamkeit und Basis hat, an die man anknüpfen kann. Vor allem in ärmeren Ländern spielt der Glaube eine unglaublich wichtige Rolle für die Menschen, denn sie gibt Hoffnung und schafft Zusammenhalt.

Für mich wird die Reise in die Hauptstadt Kolumbiens nach Bogota gehen. Es ist eine Einrichtung die in Deutschland einem Altenheim gleicht, in welchem ausschließlich Frauen leben. Diese Frauen können sich aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen nicht mehr selbstständig versorgen und benötigen deshalb Unterstützung in ihrer alltäglichen Gestaltung des Lebens. Meine Aufgabe wird es sein, die dort arbeitenden Volontäre und Krankenschwestern zu koordinieren, sowie den Tagesablauf der Bewohnerinnen zu strukturieren und mich um die Aufsicht der Mitarbeiter zu kümmern und diese zu leiten und auszubilden. Diese Einrichtung ist im Jahr 1989 entstanden und war zu Beginn ein Nachbarschaftsprojekt für eine kleinere Gruppe älterer, armer Menschen, die sich gegenseitig unterstützt haben. Heute beherbergt die Juan Paul Stiftung 55 ältere Frauen mit dem Ziel, ihre Ressourcen zu fordern und zu fördern, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und ihnen die benötigte Unterstützung zu gewährleisten.

"Morgens wenn ich zur Arbeit komme, nehme ich mir die Zeit jede Frau im Seniorenheim einzeln zu begrüßen und kurz mit ihr alleine zu sprechen. Für mich ist das die schönste Zeit am Tag, da ich mir die Zeit nehmen- und mich auf jede der Damen einzeln einige Minuten konzentrieren und Ihnen zuhören kann. In Deutschland ist das der Faktor, der mir in der gesamten Pflegesituation am meisten fehlt: Zeit. Denn ich habe diesen Beruf doch gewählt, um Menschen zu helfen, für sie präsent zu sein und sie zu unterstützen. Doch im Pflegealltag ist das, was meist zu kurz kommt und am wenigsten Aufmerksamkeit erhält, der Patient selbst. So bin ich unglaublich glücklich, mir diese Zeit nehmen zu können und genieße sie jeden Morgen aufs Neue. Aber was ich von den Frauen zurückbekomme ist so viel mehr, ich habe zwar in den ersten Wochen kaum verstanden, was sie mir erzählt haben, doch hat es sie nicht abgehalten, sich mir mitzuteilen oder etwas zu sagen. Einen Kuss auf die Wange erhalte ich nicht nur einmal am Tag von jeder einzelnen, und dass sie sehr froh sind, dass ich da bin, spüre ich jeden Tag aufs Neue."
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