Nadine Kirbach – Volontärin in Kolumbien (DE)


Colombia,
Bogota


1. Missionsbericht

Fidesco Volontäre zurück von der Mission am 12.09.2019Projektkoordinatorin

Nadine berichtet über ihre erste Zeit als Volontärin in Bogota:

„Auf meinem Arbeitsweg bin ich die ersten Wochen natürlich stark aufgefallen, denn es ist für die Menschen in dieser Gegend ein ziemlich seltener Anblick eine weiße, blonde Frau alleine durch die Straßen gehen zu sehen. Mittlerweile hat sich das aber geändert, denn die Menschen wissen, dass sie jeden Morgen um acht Uhr mit mir rechnen können. So werde ich nun von den Menschen, denen ich auf meinem täglichen Weg zur Arbeit begegne, überschwänglich begrüßt und angelächelt. Womit ich zum Hauptbestandteil meines Lebens hier kommen möchte, meiner Arbeit als Volontärin. Ich wurde bisher an keinem Arbeitsplatz so unglaublich herzlich empfangen wie an diesem. Zwei große Obstkörbe mit allen typischen Früchten Kolumbiens haben mich bereits in meiner Wohnung erwartet und es gab ein Treffen mit allen Mitarbeitern, um mich vorzustellen und willkommen zu heißen. Danach haben wir zusammen zu Mittag gegessen und mir wurden die typischsten kolumbianischen Gerichte vorgestellt.

Die Bewohnerinnen des Altenheims haben jede ein Herz für mich gebastelt mit Wünschen für meine zukünftige Zeit hier. Das Altenheim, in dem ich arbeite, nennt sich „Fundación Voluntariado Juan Pablo II“ und wurde im Jahr 1989 in Bogotá eröffnet, um öffentliche und private Einrichtungen zu unterstützen, die sich der Altenpflege widmen. Von Anfang an hat sich das Altenheim zum Ziel gesetzt, eine „etwas andere Einrichtung“ zu sein, deren Hauptziel darin besteht, würdevolles und gesundes Altern zu gewährleisten. Das Altenheim beherbergt momentan 24 Frauen, die größtenteils weder Familie noch Geld haben und wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Außerdem sind wir ein Tageszentrum für Frauen, die zwar noch zu Hause leben, aber an unseren täglichen Aktivitäten teilnehmen. Die Idee dieser Einrichtung ist, diesen Frauen ein Leben in Gemeinschaft zu ermöglichen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich eine Familie zu sein. Einrichtungen wie diese gibt es selten in Bogotá. So ist es ein großes Problem für ältere Menschen, Möglichkeiten zum Leben zu finden, wenn es ihnen nicht mehr möglich ist, sich selbst zu versorgen. Ein Grund dafür ist das fehlende Geld, um eine Einrichtung zu bezahlen, ein anderer: es gibt wenige Einrichtungen wie diese. Zu unseren Mitarbeitern gehören Krankenschwestern, Pflegehelfer, Sekretärinnen, eine Reinigungskraft und zwei Köchinnen. Meine Aufgaben bestehen darin die Krankenschwestern zu koordinieren, die Aktivitäten der Bewohnerinnen zu planen, das Essen auszuwählen, die benötigten Zutaten zu kalkulieren und zu bestellen, sowie mich um administrative Dinge zu kümmern.“

 

Nadine über ihre Ausreise nach Kolumbien:

„Nach meinem Abitur habe ich die Ausbildung zur Krankenschwester in Hamburg gemacht und danach Berufserfahrung auf der Intensivstation in verschiedenen Krankenhäusern gesammelt. In Oberbayern habe ich in einer Arbeitskollegin eine gute Freundin gefunden, die mir über ihre Erfahrungen in Sambia als Krankenschwester mit der Organisation Fidesco berichtet hat. Schon damals war ich von ihren Erzählungen und Berichten begeistert. Entschieden habe ich mich nach langen Recherchen ebenso für Fidesco, weil der Glaube uns Menschen trotz unterschiedlicher Herkunft und Lebensbedingungen verbindet. Darüber hinaus schafft Glaube eine Art von Vertrauen und Verbundenheit, durch die man als Fremder in einer anderen Kultur eine Gemeinsamkeit und Basis hat, an die man anknüpfen kann. Vor allem in ärmeren Ländern spielt der Glaube eine unglaublich wichtige Rolle für die Menschen, denn sie gibt Hoffnung und schafft Zusammenhalt.

Für mich wird die Reise in die Hauptstadt Kolumbiens nach Bogota gehen. Es ist eine Einrichtung die in Deutschland einem Altenheim gleicht, in welchem ausschließlich Frauen leben. Diese Frauen können sich aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen nicht mehr selbstständig versorgen und benötigen deshalb Unterstützung in ihrer alltäglichen Gestaltung des Lebens. Meine Aufgabe wird es sein, die dort arbeitenden Volontäre und Krankenschwestern zu koordinieren, sowie den Tagesablauf der Bewohnerinnen zu strukturieren und mich um die Aufsicht der Mitarbeiter zu kümmern und diese zu leiten und auszubilden. Diese Einrichtung ist im Jahr 1989 entstanden und war zu Beginn ein Nachbarschaftsprojekt für eine kleinere Gruppe älterer, armer Menschen, die sich gegenseitig unterstützt haben. Heute beherbergt die Juan Paul Stiftung 55 ältere Frauen mit dem Ziel, ihre Ressourcen zu fordern und zu fördern, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und ihnen die benötigte Unterstützung zu gewährleisten.“

"Morgens wenn ich zur Arbeit komme, nehme ich mir die Zeit jede Frau im Seniorenheim einzeln zu begrüßen und kurz mit ihr alleine zu sprechen. Für mich ist das die schönste Zeit am Tag, da ich mir die Zeit nehmen- und mich auf jede der Damen einzeln einige Minuten konzentrieren und Ihnen zuhören kann. In Deutschland ist das der Faktor, der mir in der gesamten Pflegesituation am meisten fehlt: Zeit. Denn ich habe diesen Beruf doch gewählt, um Menschen zu helfen, für sie präsent zu sein und sie zu unterstützen. Doch im Pflegealltag ist das, was meist zu kurz kommt und am wenigsten Aufmerksamkeit erhält, der Patient selbst. So bin ich unglaublich glücklich, mir diese Zeit nehmen zu können und genieße sie jeden Morgen aufs Neue. Aber was ich von den Frauen zurückbekomme ist so viel mehr, ich habe zwar in den ersten Wochen kaum verstanden, was sie mir erzählt haben, doch hat es sie nicht abgehalten, sich mir mitzuteilen oder etwas zu sagen. Einen Kuss auf die Wange erhalte ich nicht nur einmal am Tag von jeder einzelnen, und dass sie sehr froh sind, dass ich da bin, spüre ich jeden Tag aufs Neue."
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